Nicht abstrakt, sondern das Abstrakte malen

 

 

 

 

Am Ende der Vorgeschichte

 

 

 

Heimat, als größtmöglicher Projektions- und Sehnsuchtsort des Menschen, erhält, wenngleich individuell erfahren, nur vom Gesellschaftlichen her ihren Sinn. Heimat, nicht allein als subjektive Befindlichkeit, sondern allgemein, als gattungsbezogene Kategorie verstanden, kann letztlich nur in einer menschlichen Gesellschaft statthaben, die von sich selber weiß, die ihren eigenen Beweg- und Hintergründen nicht blind ausgeliefert, sondern sich ihres Tuns bewusst ist. Davon ist die Gegenwart weit entfernt. So, wie sie nun einmal ist, kann sie dem Menschen nicht Heimat sein. Von den Möglichkeiten des Bewusstseins her gesehen, seine Wirklichkeit als Heimat zu gestalten, ist ihr gegenwärtiger Status als Vorgeschichte zu deuten. Sofern der Mensch seine selbstgeschaffenen Fallstricke überhaupt abzustreifen in der Lage sein wird, stünde am möglichen Wendepunkt, am Ausgang aus dem Reich blinden Agierens, am Ende der Fetisch-Produktion, als dem Kernmotiv allen gesellschaftlichen Handelns, zunächst eine Art befreienden Wegräumens.

Im Mittelpunkt des Films - noch auf kleinste Details ist zu achten - steht die Arbeit Der Sonnenwagen (1999, Öl/Leinwand 200x150 cm) aus dem Zyklus Mythos und Entstellung, einer größeren Abfolge von Bildern, die sich mit dem Aspekt Vorgeschichte beschäftigen. Dieses Tafelbild, in dem der „Sonnenwagen“ - ein gänzlich sinn- und gebrauchswertloses Ding -, als Fetisch-Symbol firmiert, wird in den Bedeutungszusammenhang einer bewegten Anordnung und eines Handlungsablaufs gestellt, dessen zusammenfassende Inszenierung eine Umschreibung des Wendepunkts skizziert.

 

Peter Stauder. "Am Ende der Vorgeschichte". Filmclip / 57 Sek., 2017. Beitrag zur Ausstellung: „Heimat?“, 16.6.2017 - 25.8.2017, Deutscher Künstlerbund Projektraum, Markgrafenstr. 67, D -10969 Berlin   >>